Wasserstoff-Realität XI: Wasserstoff als Bestandteil der Energieautarkie (nicht nur der Dekarbonisierung)
Wasserstoff wird heute meist als Instrument der Dekarbonisierung wahrgenommen.
Und ja – das ist seine wichtigste Rolle.
Aber längst nicht die einzige.
👉 Wasserstoff ist in erster Linie ein Energieträger. Und damit verbunden ist ein weiterer entscheidender Grund für seine Entwicklung: Energieautarkie und Unabhängigkeit.
Europa und seine Abhängigkeit
Die vergangenen Jahre haben eines sehr deutlich gezeigt:
Europa ist stark von Energieimporten aus anderen Teilen der Welt abhängig.
Ob es sich um:
- Erdgas
- Erdöl
- oder andere Energierohstoffe handelt
Wenn es zu Lieferausfällen oder geopolitischen Spannungen kommt,
👉 sind die Auswirkungen unmittelbar spürbar.
Die Preise steigen. Die Unsicherheit nimmt zu. Und die Folgen treffen uns sehr schnell.
Auswirkungen, die uns alle betreffen
Ein typisches Beispiel ist Erdöl.
Sobald der Ölpreis steigt:
- verteuert sich der Transport
- steigen die Kosten für Transportunternehmen
- und in der Folge auch die Kosten der Hersteller
👉 Das Ergebnis:
Nicht nur höhere Kraftstoffpreise.
Sondern auch teurere Waren.
Einschließlich Lebensmittel.
Das bedeutet: Selbst wenn wir Erdöl oder Erdgas nicht direkt nutzen,
👉 zahlen wir die höheren Preise am Ende alle.
Warum Energieautarkie wichtig ist
Energieautarkie bedeutet nicht vollständige Unabhängigkeit.
Aber sie bedeutet:
- mehr Stabilität
- geringere Anfälligkeit für Preisschwankungen
- mehr Kontrolle über Energiepreise und Energieverfügbarkeit
👉 Genau hier kommt Wasserstoff ins Spiel.
Wasserstoff als Teil der Lösung
Wasserstoff hat einen entscheidenden Vorteil:
👉 Er kann lokal produziert werden.
Zum Beispiel:
- aus erneuerbaren Energien
- aus Biomasse und Abfällen
- in Kombination mit weiteren Technologien
Das bedeutet:
- geringere Importabhängigkeit
- mehr Kontrolle über die Produktion
- die Möglichkeit, Preise langfristig zu stabilisieren
Die Wirtschaftlichkeit beginnt sich zu verändern
Lange Zeit war das Hauptargument gegen Wasserstoff sein Preis.
Doch das verändert sich zunehmend.
Heute beobachten wir:
- steigende Energiepreise
- steigende Kosten für CO₂-Zertifikate
- zunehmenden Druck zur Dekarbonisierung der Industrie
👉 Das Ergebnis:
Der Unterschied zwischen konventionellen Energieträgern (z. B. Erdgas) und Wasserstoff wird schrittweise kleiner.
Anders gesagt:
👉 Wasserstoff wird zunehmend wirtschaftlich wettbewerbsfähig.
Und darüber hinaus:
👉 Er bietet eine höhere Stabilität als fossile Energieträger, die vom globalen Markt abhängig sind.
Was bedeutet das?
Wasserstoff ist nicht nur eine Frage der Emissionen.
👉 Er steht für die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems.
👉 Er steht für Preisstabilität.
👉 Er steht für eine teilweise Unabhängigkeit von externen Einflüssen.
Fazit
Dekarbonisierung ist wichtig.
Aber sie allein reicht nicht aus.
Wenn wir langfristig eine stabile und funktionierende Energieversorgung wollen, müssen wir neben der Dekarbonisierung auch folgendes berücksichtigen:
👉 Energieautarkie.
Und genau hier hat Wasserstoff seinen festen Platz.
Persönlich
Ich betrachte Wasserstoff als Instrument, das Dekarbonisierung mit Energiestabilität und Unabhängigkeit verbindet.
Genau in diesem Zusammenhang sehe ich seinen größten Mehrwert für zukünftige Energie- und Industrieprojekte in Europa.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Energieunabhängigkeit ist keine Ideologie. Sie ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität X: Ein erfolgreiches Praxisprojekt – was macht den Unterschied?
🚛 Wasserstoff im Verkehr: Theorie vs. Realität
In den letzten Monaten wird häufig darüber gesprochen, dass sich Wasserstoff im Verkehrssektor langsamer entwickelt als ursprünglich erwartet. Die Diskussionen drehen sich meist um Kosten, Infrastruktur oder eine unzureichende Nachfrage.
Bis zu einem gewissen Grad stimmt das.
👉 Gleichzeitig stellt sich jedoch eine andere Frage: Liegt das Problem tatsächlich am Wasserstoff – oder an der Art und Weise, wie Projekte geplant werden?
🧩 Damit wir nicht bei der Theorie bleiben
Im vorherigen Artikel habe ich die These aufgestellt, dass nicht die Technologie das Problem ist, sondern die Umsetzung.
Schauen wir uns deshalb ein Projekt an, bei dem es funktioniert:
👉 H2 Green Power & Logistics AG
Dieses Unternehmen zeigt, dass Wasserstoff im Verkehr – einschließlich der schweren Logistik – in der Praxis funktionieren kann.
Und besonders wichtig:
👉 Es funktioniert nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich.
Nicht weil die Technologie anders wäre.
Sondern weil das gesamte Projekt anders konzipiert wurde.
🔑 Was den Unterschied macht
Das Grundprinzip ist überraschend einfach:
👉 Projekte werden nicht in Einzelteilen aufgebaut, sondern von Anfang an als Gesamtsystem geplant.
Das bedeutet:
- Wasserstoffproduktion
- Infrastruktur (Transport und Betankung)
- konkrete Anwendung (Fahrzeuge und Logistik)
- Endkunde
- Finanzierung
➡️ werden parallel geplant und in enger Abstimmung umgesetzt.
⚙️ Technologie: Nicht ein Weg, sondern ein Mix
Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt im Ansatz der Wasserstoffproduktion.
Viele Projekte basieren heute auf einer einzigen Lösung:
👉 Elektrolyseur + erneuerbare Energien
Dies bringt jedoch Einschränkungen mit sich:
- Abhängigkeit vom Wetter
- schwankende Produktion
- höhere Kosten
Erfolgreiche Projekte verfolgen daher einen anderen Ansatz:
👉 die Kombination mehrerer Technologien
Zum Beispiel:
- erneuerbare Energien + Elektrolyseure
- ergänzt durch Wasserstoffproduktion aus biogenen Quellen (Biomasse und Abfälle)
📊 Was das in der Praxis bedeutet
Dieser Ansatz hat erhebliche Auswirkungen:
✔ stabile Produktion rund um die Uhr, unabhängig vom Wetter
✔ bessere Auslastung der Anlagen
✔ niedrigere Produktionskosten
✔ stabilere Wasserstoffpreise
👉 und damit:
➡️ niedrigere Preise an der Tankstelle
➡️ bessere Wirtschaftlichkeit für den Endkunden
💰 Wirtschaftlichkeit ist kein Zufall
Oft hört man:
„Wasserstoff ist teuer.“
👉 Die Realität ist präziser:
Wasserstoff ist teuer, wenn das Projekt schlecht geplant ist.
Wenn:
- keine gesicherte Abnahme vorhanden ist
- Infrastruktur ungenutzt bleibt
- die Produktion nicht optimiert ist
dann funktioniert die Wirtschaftlichkeit zwangsläufig nicht.
🧠 Die fehlende Rolle: Wer verbindet alles?
Hier kommen wir zu einem der am meisten unterschätzten Aspekte:
👉 die Steuerung des Gesamtprojekts
Damit solche Projekte funktionieren, braucht es jemanden, der:
- Technologieanbieter zusammenbringt
- Produktion und Nutzung versteht
- mit Kunden kommuniziert
- Finanzierung und Fördermittel einbindet
- das Gesamtprojekt zusammenhält
➡️ von der ersten Idee bis zur Umsetzung.
🌍 Was kann Tschechien daraus lernen?
Die Technologien haben wir.
Die Unternehmen haben wir.
Das Know-how haben wir.
👉 Was häufig fehlt, sind:
- ganzheitliche Projektkonzepte
- die Verbindung der gesamten Wertschöpfungskette
- und der Mut zur Umsetzung
🚀 Fazit
Wasserstoff im Verkehr ist keine Frage von „Ja oder Nein“.
👉 Es ist eine Frage, wie Projekte gestaltet werden, damit sie funktionieren.
Wenn:
- Produktion, Infrastruktur und Nutzung miteinander verbunden werden
- ein Technologiemix eingesetzt wird
- Projekte als Gesamtsystem gesteuert werden
dann:
👉 kann Wasserstoff nicht nur technisch funktionieren, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig sein.
💧 Die Wasserstoff-Realität besteht nicht aus Theorie.
👉 Sie besteht aus dem, was wir tatsächlich bauen können.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität IX: Wasserstoff ist nicht das Problem. Das Problem ist die Umsetzung – direkt aus der Praxis bestätigt
Im letzten Artikel habe ich eine einfache These formuliert:
👉 Wasserstoff ist nicht das Problem. Das Problem ist die Umsetzung.
👉 Letzte Woche konnte ich diese These direkt in der Praxis überprüfen.
Ich hatte die Möglichkeit, aktiv an der ersten Energieplattform teilzunehmen, organisiert vom Středočeské inovační centrum.
Es handelte sich nicht um eine klassische Konferenz. Ganz im Gegenteil.
👉 Unternehmen brachten konkrete Herausforderungen aus der Praxis mit
👉 Teilnehmer schlossen sich den Themen nach Relevanz an
👉 Und innerhalb weniger Stunden entstanden Arbeitsgruppen, die nach realen Lösungen suchten
Das Ziel war nicht Präsentation. Das Ziel war Umsetzung.
Zur Veranstaltung kam ich dank Benon Rychlik, der mich angesprochen und schließlich überzeugt hat, nicht nur als Teilnehmerin zu kommen, sondern mit einer eigenen Herausforderung.
Ehrlich gesagt war das keine einfache Entscheidung für mich.
Es war meine erste Veranstaltung dieser Art in der Rolle einer aktiven Teilnehmerin – also nicht nur als Vortragende, sondern auch als Person, um die sich anschließend ein Arbeitsteam bildete.
💡 Meine Herausforderung
Ich konzentrierte mich auf ein Thema, mit dem ich mich langfristig beschäftige:
👉 Wie kann die Energieversorgung der Industrie dort gelöst werden, wo Elektrifizierung allein nicht ausreicht?
Mit Fokus auf:
- lokale Wasserstoffproduktion
- Nutzung von Biomasse und Bioabfällen (einschließlich Klärschlamm)
- Prinzipien der Kreislaufwirtschaft
- und reale Anwendungen in Betrieb, Mobilität oder kommerziellen Bereichen
🤝 Was danach geschah
Nach einer kurzen Vorstellung bildete sich schnell ein Team rund um die Herausforderung.
An einem Tisch trafen sich Vertreter aus:
- Forschung
- Industrie
- Innovationsumfeld
- sowie weitere Energieexperten
Und der wichtigste Teil begann:
👉 die Suche nach realen Anwendungen
🔍 Was die Diskussion zeigte
Sehr schnell wurde klar, dass die Technologie selbst nicht das Problem ist.
Ganz im Gegenteil.
Die Diskussion war sachlich, offen und realistisch. Es ging nicht um „Begeisterung für Wasserstoff“, sondern um:
- konkrete Anwendungen
- Wirtschaftlichkeit
- Verfügbarkeit von Ausgangsstoffen
- und reale Grenzen
Es wurden auch sehr interessante Impulse genannt:
👉 Der Investor muss nicht ausschließlich ein Industrieunternehmen sein
→ es kann sich beispielsweise auch um Kirchen oder Kommunen handeln
👉 neue Ausgangsmaterialien
→ zum Beispiel Textilabfälle (mit offenen Fragen im Hinblick auf RED II/III)
Gleichzeitig bestätigte sich das große Potenzial von:
👉 lokaler Wasserstoffproduktion auf Basis von Biomasse und Bioabfällen – insbesondere dort, wo Produktion und lokaler Verbrauch direkt verbunden werden können und Transporte minimiert werden.
⚠️ Realität aus der Praxis: Ostrava
Sehr wichtig war auch die Diskussion mit Kollegen aus Ostrava.
Es wurden konkrete Beispiele genannt:
- geplante Wasserstoffbusse → nicht umgesetzt
- Wasserstoffzüge → durch andere Lösungen ersetzt
Der Hauptgrund war die Wirtschaftlichkeit.
Aus meiner Sicht geht es dabei jedoch nicht nur um die Kosten der Technologie.
👉 Entscheidend ist, wie das Projekt aufgebaut ist.
- ob der richtige Technologiemix gewählt wurde
- ob das Geschäftsmodell sinnvoll ist
- und vor allem:
👉 ob es jemanden gibt, der das Projekt tatsächlich steuert und koordiniert
🧠 Wo das eigentliche Problem liegt
Und genau hier kehren wir zur ursprünglichen These zurück:
👉 Technologien existieren
👉 Studien existieren
👉 Interesse existiert
👉 aber Projekte enden oft auf dem Papier
Der Grund ist überraschend einfach:
👉 Es fehlt jemand, der alles zusammenführt und bis zur Umsetzung begleitet
Also eine Rolle, die:
- einzelne Technologien verbindet
- Partner koordiniert
- mit Investoren kommuniziert
- Förderinstrumente nutzt
- und das Projekt als funktionierendes Gesamtsystem zusammenhält
Ohne diese Rolle bleiben die meisten Projekte in der Studienphase.
🔧 Was ich daraus mitnehme
Für mich persönlich war dies eine sehr intensive Erfahrung:
- erster Auftritt in dieser Rolle
- erste Leitung eines Arbeitsteams
- erste direkte Konfrontation mit der Realität verschiedener Branchen
Es war anspruchsvoll.
Aber gleichzeitig sehr wertvoll.
👉 Es hat mir bestätigt:
✔ die Technologien existieren
✔ die Ideen existieren
✔ das Interesse existiert
👉 entscheidend ist jedoch:
👉 die Fähigkeit, diese Elemente zu verbinden und umzusetzen
🔗 Wie es weitergeht
Wenn wir wollen, dass Wasserstoffprojekte tatsächlich entstehen:
👉 reicht es nicht aus, nur über Technologie zu sprechen
👉 wir müssen auch über:
👉 ihre Umsetzung sprechen
Und genau hier sehe ich das größte Potenzial für die nächsten Schritte.
📌 (auf dem Foto: Ergebnis der Teamarbeit während des Workshops – Identifikation von Anwendungen, Partnern und Risiken)
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität VIII: Wasserstoff ist nicht das Problem. Das Problem ist die Umsetzung.
Wasserstoff ist heute kein technologisches Problem mehr. Das Problem besteht darin, dass wir es noch immer nicht schaffen, ihn in reale Projekte zu überführen. Genau dort entscheidet sich heute, was tatsächlich funktionieren wird – und was nur auf dem Papier bestehen bleibt.
Wo Projekte in der Realität scheitern
In der Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Barrieren:
Fehlende Abstimmung zwischen Produktion und Nachfrage
Produktionskapazitäten existieren, aber es fehlt an gesicherter Abnahme. Beide Seiten warten – und das Projekt stockt.
Regulierung vs Realität
Nicht jedes sinnvolle Projekt erfüllt alle regulatorischen Vorgaben. Und nicht jedes Projekt, das diese erfüllt, ist wirtschaftlich tragfähig.
Fehlende Infrastruktur und Vernetzung
Projekte entstehen isoliert. Die Verbindung zwischen Produktion, Distribution und Nutzung fehlt häufig.
Fehlende grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit
Dabei ist genau diese oft der Schlüssel zur Verbindung von Ressourcen, Nachfrage und Infrastruktur.
Niemand hält das Gesamtsystem zusammen
Jeder löst seinen eigenen Teil. Doch dem Gesamtprojekt fehlt häufig eine klare Führung.
Was aus meiner Sicht am meisten fehlt
👉 Projekte werden von Anfang an nicht als funktionierende Gesamtsysteme aufgebaut.
Notwendig sind:
- die richtigen Partnerstrukturen,
- die Verbindung der gesamten Wertschöpfungskette,
- ein technologischer Mix.
Nicht aus theoretischen Gründen, sondern wegen:
- Wirtschaftlichkeit,
- ganzjähriger Betriebsstabilität,
- höherer Unabhängigkeit.
Eine einzige Technologie reicht meist nicht aus.
Die Rolle, die heute fehlt
Ich sehe sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Regionen eine hohe Bereitschaft, Projekte umzusetzen.
Gleichzeitig fehlen:
- Mut,
- Entscheidungen,
- und jemand, der Projekte tatsächlich führt.
👉 Jemand, der:
- Regionen und Staaten verbindet,
- Investoren, Technologien und Industrie koordiniert,
- und die Richtung von der ersten Idee bis zur Umsetzung hält.
Ohne diese Rolle verbleiben viele Projekte in der Analysephase.
Wie der Ausweg aussieht
Nicht über überkomplexe Megaprojekte.
👉 Sondern über kleinere, funktionierende Modelle, die realistisch sind und schrittweise erweitert werden können.
So lassen sich nach und nach:
- Technologien ausbauen,
- Sektoren verbinden (Industrie, Mobilität, Energie),
- Infrastrukturen aufbauen.
Fazit
Wasserstoff ist heute keine Frage des „Ob“ mehr.
👉 Es ist eine Frage der Umsetzung.
Beginnen. Aufhören zu zögern. Erste funktionierende Projekte realisieren.
Persönlich
Ich sehe heute in Europa konkrete Lücken, aber auch reale Chancen.
Meine Vision richtet sich darauf, Wasserstoff zum Endkunden zu bringen – in Mobilität, Industrie und weiteren Anwendungsfeldern.
Die Grundlage bleibt jedoch immer gleich:
👉 Funktionierende Infrastruktur aufbauen.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Genau daran arbeite ich heute – einzelne Elemente so zu verbinden, dass Projekte als Ganzes funktionieren und real umgesetzt werden können.
Wasserstoff braucht keine weiteren Strategien. Wasserstoff braucht Umsetzung.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität VII: Clean Hydrogen Partnership – Die internationale Dimension von Wasserstoffprojekten
Wenn über die europäische Förderung von Wasserstoff gesprochen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit häufig auf die RFNBO-Regulierung und die Bedingungen für erneuerbaren Wasserstoff aus Elektrolyse. Weniger Beachtung findet jedoch, dass es neben diesen Instrumenten Programme gibt, die ein breiteres Spektrum technologischer Lösungen und vor allem systemische, internationale Projekte unterstützen.
Eines davon ist die Clean Hydrogen Partnership (CHP).
Was ist die Clean Hydrogen Partnership?
Die Clean Hydrogen Partnership ist eine europäische Initiative zur Förderung von Forschung, Demonstration und der systemischen Integration von Wasserstofftechnologien. Ihr Ziel ist es nicht nur, einzelne Anlagen zu unterstützen, sondern funktionierende Ökosysteme aufzubauen, die miteinander verbinden:
- die Produktion von Wasserstoff,
- Verteilung und Infrastruktur,
- konkrete Anwendungen in Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft,
- und vor allem die internationale Zusammenarbeit mehrerer Partner.
Im Gegensatz zu einigen anderen Instrumenten ist die Förderung nicht ausschließlich auf Wasserstoff beschränkt, der die Definition von RFNBO erfüllt. Projekte werden vor allem anhand folgender Kriterien bewertet:
- technologische Innovationskraft,
- systemische Integration,
- Beitrag zur Dekarbonisierung,
- sowie die Fähigkeit, ein langfristig tragfähiges Betriebsmodell zu schaffen.
Dies eröffnet Raum auch für Projekte, die auf Prinzipien der Kreislaufwirtschaft basieren, biogene Ressourcen nutzen oder mehrere technologische Ansätze innerhalb eines Systems kombinieren.
Hydrogen Valleys: Die Region als Grundlage
Eines der zentralen Konzepte der Clean Hydrogen Partnership sind die sogenannten Hydrogen Valleys – regionale Projekte, die die Produktion, Infrastruktur und konkrete Nutzung von Wasserstoff innerhalb eines definierten Gebiets miteinander verbinden.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie, sondern:
- eine reale Nachfrage nach Wasserstoff,
- die Einbindung mehrerer Sektoren,
- die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit,
- sowie die Koordination der Akteure auf regionaler Ebene.
Wasserstoff ist hier kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer umfassenderen regionalen Transformationsstrategie.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als strategischer Vorteil
Grenzüberschreitende Regionen stellen eine besondere Chance dar. Benachbarte Gebiete teilen häufig:
- ähnliche industrielle Strukturen,
- logistische Verflechtungen,
- Energieinfrastrukturen,
- sowie gemeinsame Herausforderungen im Transformationsprozess.
Ein kleineres, realistisch konzipiertes Projekt auf einer Seite der Grenze kann als Pilot dienen. Wenn es auf realer Nachfrage und funktionierenden Partnerschaften basiert, kann es schrittweise erweitert werden – um zusätzliche Produktionskapazitäten, weitere Abnehmer und zusätzliche Infrastrukturelemente.
Ein solcher Ansatz ermöglicht es, ein Wasserstoffökosystem schrittweise aufzubauen, ohne einmalige überdimensionierte Investitionen und unabhängig von administrativen Staatsgrenzen. Auf diese Weise kann nach und nach ein vernetztes System entstehen, das die wirtschaftliche Logik der Region respektiert und gleichzeitig die internationale Dimension als Vorteil und nicht als Hindernis nutzt.
IF und CHP: Unterschiedliche Rollen, gemeinsames Ziel
Die europäischen Förderinstrumente im Wasserstoffbereich schließen sich nicht gegenseitig aus – im Gegenteil, sie ergänzen sich.
- Der Innovation Fund konzentriert sich vor allem auf die Investitionsphase großer Projekte und signifikante Emissionsreduktionen im industriellen Maßstab.
- Die Clean Hydrogen Partnership unterstützt den Aufbau internationaler Konsortien, die Demonstration von Lösungen und die systemische Integration auf regionaler Ebene.
Erfolgreiche Projekte entstehen jedoch nicht als Reaktion auf eine gerade geöffnete Ausschreibung. Sie entstehen dort, wo bereits vorhanden sind:
- ein klar definierter regionaler Bedarf und ein entsprechendes Potenzial,
- eine validierte Nachfrage,
- funktionierende Partnerschaften,
- sowie ein realistischer, schrittweiser Weg von der Vorbereitung bis zur Umsetzung.
Was bedeutet das für tschechische Regionen?
Die Clean Hydrogen Partnership ist nicht nur „eine weitere Fördermöglichkeit“. Sie ist ein Instrument, das es ermöglicht, regionale Strategien, technologische Lösungen und internationale Zusammenarbeit in einem funktionierenden Rahmen zu verbinden.
Für Regionen, die systematisch denken und bereit sind, zunächst ihr eigenes Potenzial zu validieren, kann sie einen logischen nächsten Schritt darstellen – insbesondere in Kombination mit weiteren europäischen oder nationalen Förderinstrumenten.
Entscheidend ist dabei nicht, einzelne Ausschreibungen isoliert zu betrachten, sondern sie in ein langfristiges Entwicklungskonzept zu integrieren. Die Fähigkeit, regionale Bedürfnisse, technologische Möglichkeiten und geeignete Finanzierungsinstrumente zu einem kohärenten Projekt zu verbinden, wird in den kommenden Jahren ausschlaggebend sein.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität VI: Wasserstoff zwischen Regulierung, Infrastruktur und Projektrealität
Die letzten Monate haben mehrere wichtige Signale gebracht, die es wert sind, in einen größeren Zusammenhang gestellt zu werden. Es geht dabei nicht um einzelne Förderaufrufe oder Technologien, sondern um die Frage, in welche Richtung sich das Wasserstoffsystem in Europa tatsächlich entwickelt.
Nach dem Innovation Fund – Czech National Info Day wird immer deutlicher, dass Wasserstoff nicht mehr als Experiment betrachtet wird, sondern als langfristiges Infrastrukturthema. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass zwischen politischen Zielen, regulatorischen Rahmenbedingungen und der realen Umsetzbarkeit von Projekten Spannungen entstehen, die nicht ignoriert werden können.
Wasserstoff wird zur Infrastruktur – nicht nur zur Technologie
Einer der wichtigsten Schritte der letzten Zeit ist der Vorschlag des sogenannten European Grids Package. Dieser reagiert zwar primär auf die Überlastung der Stromnetze infolge des schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien, umfasst aber erstmals auch systematisch die Wasserstoffinfrastruktur.
Konkret:
- die Planung von Wasserstoffnetzen soll Teil des TYNDP (Ten-Year Network Development Plan) werden,
- ENNO-H entsteht als gleichwertiger Partner zu ENTSO-E und ENTSO-G,
- die Europäische Kommission hat strategische Energy Highways identifiziert, darunter zwei große Wasserstoffkorridore quer durch Europa.
Das ist ein starkes Signal:
👉 Wasserstoff wird als tragende Infrastruktur mit einem Zeithorizont von mehreren Jahrzehnten verstanden.
Regulierung treibt den Markt – aber zu welchem Preis
Gleichzeitig gilt, dass ein großer Teil des Wasserstoffmarktes heute durch Regulierung und nicht durch die natürliche Wirtschaftlichkeit von Projekten getrieben wird. Das zeigt sich sehr deutlich im Bereich RFNBO, Wasserstoffmobilität und PtX.
- Preise werden nicht primär durch die Effizienz der Technologien bestimmt,
- sondern durch Anforderungen an die Herkunft des Stroms, zeitliche Korrelation und die Erfüllung von Quoten,
- Marktnachfrage entsteht oft erst sekundär – als Reaktion auf regulatorische Verpflichtungen.
Das ist an sich nicht falsch. Regulierung hat in einer Transformationsphase ihre Berechtigung. Problematisch wird es jedoch in dem Moment, in dem der regulatorische Rahmen technologische Optionen einschränkt, anstatt systemische Optimierung zu ermöglichen.
Zentrale Korridore vs. regionale Realität
Die geplanten europäischen Wasserstoffkorridore zeigen eine klare Ausrichtung auf:
- große Volumina,
- Import,
- lange Transportdistanzen.
Aus Sicht der europäischen Energiestrategie ist das nachvollziehbar. Aus Sicht von Regionen, Industrie und konkreten Projekten ergeben sich jedoch zentrale Fragestellungen:
- Verfügbarkeit von Wasserstoff am Ort des Verbrauchs,
- Kosten unter Berücksichtigung von Transport und Infrastruktur,
- Abhängigkeit von externen Lieferketten,
- zeitlicher Rahmen der Umsetzung.
Genau hier öffnet sich erneut das Thema regionaler und dezentraler Lösungen, die nicht im Widerspruch zur europäischen Strategie stehen müssen, sondern vielmehr eine notwendige Ergänzung darstellen.
Technologischer Mix ist keine Schwäche, sondern eine Notwendigkeit
Aus der Praxis von Projekten wird immer deutlicher:
- Keine einzelne Technologie kann alle Anwendungen abdecken,
- nicht jede Region verfügt über die gleichen Voraussetzungen,
- und nicht jeder Sektor benötigt die gleiche Art von Wasserstoff.
Stabile industrielle Abnahme, Mobilität, Energiewirtschaft und PtX-Anwendungen stellen unterschiedliche Anforderungen an:
- Versorgungskontinuität,
- Kostenstruktur,
- CO₂-Fußabdruck,
- Investitionsstruktur.
Deshalb ist es sinnvoll, technologieneutral zu denken und Lösungen zu suchen, die:
- Infrastruktur, Produktion und Nutzung miteinander verbinden,
- lokale Ressourcen und Rahmenbedingungen berücksichtigen,
- und nicht nur regulatorisch, sondern auch wirtschaftlich und betrieblich tragfähig sind.
Was sich aus dem Innovation Fund – Czech National Info Day ableiten lässt
Der Innovation Fund hat erneut bestätigt:
- Die EU ist bereit, in großem Umfang in Wasserstoff zu investieren,
- erwartet jedoch Projekte mit einem klaren systemischen Mehrwert.
Für die nächste Phase der Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft wird entscheidend sein:
- Regulierung und betriebliche Realität miteinander zu verbinden,
- Infrastruktur und Produktion als integriertes System zu betrachten,
- und eine offene Diskussion darüber zu führen, wo Wasserstoff sinnvoll eingesetzt werden kann – und wo weniger.
Wasserstoff ist kein Ziel an sich. Er ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug funktioniert er nur dann, wenn er im richtigen Kontext eingesetzt wird.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität V: Warum es sinnvoll ist, über „grünen“ Wasserstoff außerhalb von RFNBO nachzudenken
In den vorherigen Beiträgen habe ich mich mit den Unterschieden zwischen den einzelnen Kategorien von „grünem“ Wasserstoff und damit beschäftigt, wie die europäische Regulierung technologische Entscheidungen beeinflusst. In diesem Beitrag möchte ich einen Schritt weitergehen – hin zu einer praktischen Frage, die Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft heute beschäftigt:
Ist es sinnvoll, in die Produktion und Nutzung von Wasserstoff zu investieren, der nicht nach RFNBO erzeugt wird, aber die Anforderungen von RED II / RED III erfüllt?
Die kurze Antwort lautet: Ja – wenn wir strategisch, langfristig und im Kontext einer realen Dekarbonisierung denken.
Dekarbonisierung geschieht nicht über Nacht
Große Industrieprojekte – ob in der Stahlindustrie, Chemie, Energiewirtschaft oder im Verkehr – werden nicht in Monaten, sondern in Jahren geplant. Das gilt ebenso für:
- den Bau von Produktionsanlagen,
- Genehmigungsverfahren,
- Infrastruktur,
- Integration in bestehende Prozesse.
Auf einen „idealen“ regulatorischen Zustand zu warten, bedeutet oft, zu lange zu warten.
Während sich die Regulierung weiterentwickelt, entstehen Emissionen jeden Tag. Genau hier kommen Technologien ins Spiel, die die Anforderungen von RED II / RED III erfüllen – einschließlich der Wasserstoffproduktion aus Biomasse, biogenen Reststoffen oder anderen emissionsarmen Verfahren.
Was Wasserstoff außerhalb von RFNBO Unternehmen bringt
Aus Sicht von Industrie, Mobilität und Kommunen bieten solche Projekte mehrere konkrete Vorteile:
- reale Emissionsreduktionen bereits heute, nicht erst in der Zukunft,
- höhere Energieunabhängigkeit,
- stabile Produktion unabhängig von Wetterbedingungen,
- Integration von Kreislaufwirtschaft,
- Aufbau von Infrastruktur, Know-how und Betriebsteams.
Wasserstoff nach RED II / RED III hat die gleiche Qualität und Nutzbarkeit – in Industrie, Mobilität und Energieerzeugung. Der Unterschied liegt nicht im Molekül, sondern in der regulatorischen Einordnung.
Und die Nachteile? Diese sollten klar benannt werden
Aus heutiger gesetzlicher Sicht ist es wichtig, auch die Nachteile offen anzusprechen:
- solcher Wasserstoff kann nicht immer auf RFNBO-Quoten angerechnet werden,
- Unternehmen können temporäre Sanktionen oder Abgaben nicht vermeiden,
- Fördermechanismen sind weniger direkt als bei RFNBO-Projekten.
Das sind reale Einschränkungen.
Und genau hier kommt strategisches Denken ins Spiel.
Wer vorbereitet ist, wird nicht überrascht
Wenn ein Unternehmen heute:
- in Technologien investiert,
- Emissionen reduziert,
- Prozesse etabliert,
- Infrastruktur aufbaut,
befindet es sich bei einer regulatorischen Änderung nicht am Anfang, sondern kurz vor dem Ziel.
Während andere noch planen, genehmigen und bauen, können vorbereitete Unternehmen:
- schnell auf neue Rahmenbedingungen reagieren,
- ihre Aktivitäten ausweiten,
- oder ihre Technologie erweitern.
Welche Rolle spielt die Finanzierung?
Europäische Instrumente wie der Innovationsfonds setzen derzeit einen starken Fokus auf RFNBO, gleichzeitig jedoch:
- unterstützen sie breitere Dekarbonisierungslösungen,
- bewerten den gesamten Emissionsbeitrag eines Projekts,
- und passen sich schrittweise der technologischen Realität an.
Deshalb ist es sinnvoll, Projekte bereits heute vorzubereiten – auch wenn die Rahmenbedingungen noch nicht ideal sind.
Fazit
Wasserstoff nach RED II / RED III ist keine Umgehung der Dekarbonisierung. Er ist ein pragmatischer Weg:
- Emissionen zu reduzieren,
- sich auf die Zukunft vorzubereiten,
- und keine Zeit zu verlieren.
Es geht nicht darum, gegen Regeln zu handeln. Es geht darum, vorbereitet zu sein, wenn sich die Regeln weiterentwickeln.
Und gerade in der Dekarbonisierung gilt:
Wer vorbereitet ist, wird nicht überrascht.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität IV: Haben Projekte außerhalb von RFNBO eine Chance auf Förderung?
Ich habe am Innovation Fund – Czech National Info Day teilgenommen, der die Bedingungen und Erwartungen des Europäischen Innovationsfonds (Innovation Fund, CINEA) für kommende Ausschreibungen vorgestellt hat.
Mein Ziel war es zu prüfen, ob Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte zur Wasserstoffproduktion aus Biomasse für industrielle Anwendungen bestehen – sowie für Technologien, die nicht unter RFNBO fallen, aber dennoch signifikante Emissionsreduktionen ermöglichen.
Entscheidend ist nicht das Label, sondern der Beitrag
Eine zentrale Botschaft der Veranstaltung war klar:
Der Innovationsfonds ist nicht ausschließlich auf RFNBO-Technologien beschränkt.
Bewertet wird, ob ein Projekt:
-
innovativ ist,
-
messbare Emissionsreduktionen erzielt,
-
technisch und wirtschaftlich realisierbar ist,
-
und in emissionsintensiven Sektoren Anwendung findet.
Projektvorbereitung als Schlüssel
Ein entscheidender Faktor ist die Qualität der Projektvorbereitung.
Erforderlich sind u. a.:
-
Machbarkeitsstudie
-
Business Case
-
Finanzmodell
-
Risikoanalyse
-
Emissions-Baseline
-
Finanzierungsstruktur
Die Vorbereitung dauert häufig mindestens sechs Monate.
Umsetzung und Zeitrahmen
Nach Bewilligung der Förderung muss das Projekt in der Regel innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden.
Rolle des Umweltministeriums
In Tschechien spielt das Umweltministerium eine wichtige Rolle als nationaler Ansprechpartner und möglicher Partner bei ergänzender Finanzierung.
Die finale Entscheidung trifft jedoch die Europäische Kommission über CINEA.
Bedeutung für Wasserstoffprojekte
Diese Informationen sind besonders relevant für Wasserstoffprojekte aus:
-
Biomasse
-
biogenen Reststoffen
-
anderen nicht-RFNBO Technologien
Sie zeigen, dass auch diese Technologien realistische Finanzierungschancen haben.
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
Wasserstoff-Realität III: EU-Regulierung – warum nicht jeder Mix ein echter Mix ist
Wenn von einem Energiemix gesprochen wird, denkt man an eine ausgewogene Kombination verschiedener Technologien. Doch die Realität der EU-Regulierung sieht anders aus.
Nicht jeder Mix ist ein echter Mix. Und nicht jeder „grüne“ Wasserstoff ist regulatorisch gleichwertig.
Die regulatorischen Kategorien
Die EU unterscheidet:
-
RFNBO,
-
RED II / RED III Wasserstoff,
-
weitere CO₂-arme Technologien.
Diese Einteilung entscheidet über:
-
Förderfähigkeit,
-
Quotenerfüllung,
-
wirtschaftliche Realisierbarkeit.
RFNBO – der bevorzugte Weg
Strenge Anforderungen:
-
Additionalität,
-
zeitliche Korrelation,
-
geografische Korrelation,
-
70 % Emissionseinsparung.
In Mitteleuropa ist dies technisch und wirtschaftlich äußerst anspruchsvoll.
RED II / III – breiter gefasst
RED-Wasserstoff kann:
-
Biomasse und Biogas nutzen,
-
stabil 24/7 produzieren,
-
vergleichbare Emissionswerte erreichen,
-
kosteneffizient sein,
-
zirkuläre Modelle unterstützen.
Technologisch sinnvoll. Wirtschaftlich tragfähig.
Dennoch regulatorisch oft benachteiligt.
Der Kern des Problems
Nicht alles, was technisch grün ist, gilt regulatorisch als „anerkannt grün“.
Das verzerrt Investitionsentscheidungen.
Fazit
Eine echte Dekarbonisierung erfordert technologische Neutralität.
Nicht die Technologie sollte vorgeschrieben werden — sondern das Emissionsziel.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
✉️ info@hyconnect.eu
🌐 www.hyconnect.eu
Wasserstoff-Realität II: Grüner Wasserstoff ist nicht immer gleich. Warum? Und was bedeutet das für die Dekarbonisierung?
Als ich vor einigen Wochen den Satz hörte „grüner Wasserstoff ist nicht immer grün“, ließ mich das kurz innehalten. Mit Wasserstoff bin ich erstmals vor rund fünfzehn Jahren bei der Daimler AG in Berührung gekommen. Seitdem kehre ich immer wieder zu diesem Thema zurück und beschäftige mich in den letzten Jahren intensiv damit – im tschechischen ebenso wie im europäischen Kontext.
Trotz dieser langjährigen Erfahrung muss ich zugeben: Viele Begriffe und Zusammenhänge rund um die „Grünheit“ von Wasserstoff sind keineswegs intuitiv. Oft bleibt unklar, was genau hinter einzelnen Bezeichnungen steckt – und warum bestimmte Wasserstoffpfade als wertvoll gelten, während andere es nicht tun, obwohl beide technisch sauber oder emissionsarm sein können.
Und damit bin ich nicht allein. Die Verwirrung darüber, was als grüner, erneuerbarer, CO₂-armer, RFNBO- oder RED-zertifizierter Wasserstoff gilt, ist in Europa weit verbreitet. Obwohl Wasserstoff immer häufiger diskutiert wird, verstehen viele nicht, warum einzelne Technologien unterschiedlichen regulatorischen Kategorien zugeordnet werden – und welche praktischen Konsequenzen das hat.
Genau aus diesem Grund habe ich mich entschieden, über dieses Thema zu schreiben: einfach, technisch fundiert und verständlich. Für alle, die sich in der Praxis mit Dekarbonisierung beschäftigen.
Wer beschäftigt sich heute mit Dekarbonisierung? Praktisch alle.
Wasserstoff betrifft längst nicht mehr nur eine kleine Gruppe von Technologieunternehmen. Er betrifft:
-
energieintensive Industrien wie Stahl, Zement, Glas und Chemie,
-
Logistikunternehmen,
-
Städte und Regionen,
-
den Bausektor,
-
Luftfahrt und Verteidigung,
-
und künftig viele weitere Branchen.
Jeder Akteur mit hohen Emissionen steht vor derselben Frage:
Wie lassen sich fossiler Wasserstoff oder Erdgas ersetzen – und wie können die europäischen regulatorischen Vorgaben erfüllt werden?
Und genau hier beginnt das Problem: Grüner Wasserstoff ist nicht immer gleich grün.
Der Grund dafür ist nicht technologisch, sondern regulatorisch.
Unterschiedliche Wasserstoffkategorien in der EU-Regulierung
Die Europäische Kommission definiert mehrere Wasserstoffkategorien, die sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden.
1️⃣ RFNBO – der „Goldstandard“ aus Sicht der EU
RFNBO (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) bezeichnet Wasserstoff aus Elektrolyseuren, die ausschließlich mit erneuerbarem Strom (Wind, Sonne, Wasser) betrieben werden.
Damit Wasserstoff als RFNBO gilt, müssen strenge Kriterien erfüllt werden:
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Additionalität – Nutzung neuer erneuerbarer Stromkapazitäten,
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zeitliche Korrelation – Elektrolyse nur bei gleichzeitiger Erzeugung erneuerbarer Energie,
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geografische Korrelation – räumliche Nähe von Stromquelle und Elektrolyseur,
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über 70 % Treibhausgaseinsparung gegenüber fossilem Wasserstoff.
Die Folge: In Ländern wie Tschechien ist RFNBO nur schwer umsetzbar. Die erneuerbare Stromerzeugung ist begrenzt und volatil. Unternehmen sagen daher häufig:
„RFNBO ist auf dem Papier gut – in der Praxis aber kaum erreichbar.“
Trotzdem sind an RFNBO verbindliche Quoten, Fördermechanismen und Sanktionen gekoppelt.
2️⃣ RED II und RED III – eine andere Logik von „grünem Wasserstoff“
Nach RED II und RED III kann Wasserstoff als erneuerbar gelten, wenn:
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definierte Nachhaltigkeitskriterien erfüllt sind,
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CO₂-Einsparungen gemäß Methodiken nachgewiesen werden,
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die Herkunft der eingesetzten Rohstoffe nachvollziehbar ist.
Im Gegensatz zu RFNBO ist Biomasse hier ausdrücklich zugelassen. Wasserstoff kann entstehen aus:
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thermochemischer Umwandlung von Rest- und Abfallbiomasse,
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Biogas oder Biomethan,
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geeigneten Abfallströmen gemäß RED-Kriterien.
Das Ergebnis kann vollständig erneuerbarer Wasserstoff nach RED II/III sein – auch wenn er nicht den RFNBO-Anforderungen entspricht.
3️⃣ Alternative Technologien zur Wasserstofferzeugung
Neben Elektrolyse und Biomasse existieren weitere CO₂-arme Herstellungswege:
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Methanpyrolyse (fester Kohlenstoff statt CO₂),
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partielle Oxidation von Biomethan,
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Plasmatechnologien,
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Reforming mit CCS,
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Vergasung von Abfallstoffen (bei Erfüllung der RED-Kriterien).
Diese Technologien können einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten, auch wenn sie regulatorisch anderen Kategorien zugeordnet werden.
Warum erschwert das die Dekarbonisierung?
Auf der HyBaBo-Konferenz im deutschen Selb hörte ich eine Aussage, die mich ehrlich überrascht hat:
Unternehmen zahlen lieber hohe Strafzahlungen für nicht erfüllte RFNBO-Quoten, als günstigeren und stabilen Wasserstoff nach RED II/III zu nutzen.
Auf die Frage nach dem Warum lautete die Antwort:
„Weil dieser Wasserstoff nicht auf die verpflichtende RFNBO-Quote angerechnet wird.“
Und das, obwohl RED-konformer Wasserstoff:
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günstiger ist,
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rund um die Uhr produziert werden kann,
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lokal verfügbar ist,
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und eine sehr niedrige CO₂-Bilanz aufweisen kann.
Diese Erkenntnis war für mich zentral: Technologische Realität und regulatorische Realität klaffen in Europa derzeit deutlich auseinander.
⭐ Ziel dieser Serie
Ich möchte all jenen helfen, die sich im Dickicht aus Regularien, Abkürzungen, Zertifizierungen und Dekarbonisierungsvorgaben verlieren – genauso wie ich mich anfangs verloren habe, bevor ich begonnen habe, die Zusammenhänge systematisch zu verstehen.
Diese Serie ist kein akademisches Lehrbuch und kein fertiger Leitfaden. Sie ist ein fortlaufender Prozess des Erklärens, Einordnens und Teilens von Erkenntnissen aus meiner praktischen Arbeit, aus Gesprächen und aus konkreten Projekten.
In den nächsten Beiträgen werde ich Themen aufgreifen, die logisch aufeinander aufbauen – von verschiedenen Wasserstoffpfaden über regulatorische Unterschiede bis hin zu den praktischen Auswirkungen auf Industrie, Regionen und Projekte.
Vor allem aber möchte ich dazu beitragen, dass Wasserstoff nicht nur ein regulatorisches Häkchen bleibt, sondern zu einem echten Instrument der Dekarbonisierung wird.
⭐ Abschließende Einladung
Wenn Sie sich für diese Themen interessieren, freue ich mich, wenn Sie den Newsletter „Wasserstoff-Realität“ abonnieren.
Ich beschäftige mich mit Wasserstoff nicht nur als Beobachterin. Ich arbeite mit Industrieunternehmen, Städten, Investoren und Technologiepartnern an der Vorbereitung und Umsetzung von Wasserstoffprojekten – von der Erzeugung bis zur realen Anwendung in Industrie und Mobilität. Dabei verbinde ich Technologien, Fachwissen und regionale Potenziale so, dass Projekte technisch wie wirtschaftlich sinnvoll sind.
Wenn Ihr Unternehmen:
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erste Schritte Richtung Dekarbonisierung plant,
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nach geeigneten Technologien oder Partnern sucht,
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den Einsatz von Wasserstoff in Industrie, Mobilität oder Energie prüft,
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oder seine Optionen unverbindlich diskutieren möchte,
können wir uns jederzeit austauschen.
Ich bin überzeugt: Wasserstoff kann ein wirkungsvolles Instrument der Dekarbonisierung sein – wenn er richtig eingeordnet und praktisch umgesetzt wird.
Ich freue mich auf den nächsten Teil dieser gemeinsamen Reise.
Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
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