Wasserstoff-Realität I: Wo stehen wir heute?

In den vergangenen Monaten begegne ich zunehmend der Aussage, „Wasserstoff habe sich nicht durchgesetzt“ oder „die Wasserstoffblase sei geplatzt“. Solche Bewertungen greifen aus meiner Sicht zu kurz. Was wir derzeit erleben, ist nicht das Ende von Wasserstoff, sondern das Ende einer Phase überhöhter Erwartungen.

Die Wasserstoffwirtschaft hat sich nie als ein einzelnes Thema, eine einzelne Technologie oder ein homogener Markt entwickelt. Von Beginn an handelt es sich um ein Bündel sehr unterschiedlicher Segmente mit jeweils eigener Dynamik, zeitlicher Entwicklung und unterschiedlichem Reifegrad – technologisch wie wirtschaftlich. Genau das wird heute immer deutlicher sichtbar.

Wasserstoff ist kein einheitlicher Markt

Die Diskussion über Wasserstoff wird häufig auf eine einfache Frage reduziert: „Funktioniert das – oder nicht?“
Tatsächlich umfasst Wasserstoff jedoch ein komplexes Ökosystem miteinander verknüpfter Bereiche, darunter:

  • unterschiedliche Wege der Wasserstofferzeugung,

  • Infrastruktur und Logistik,

  • konkrete Anwendungen in Industrie, Verkehr und Energiewirtschaft,

  • Regulierung, Zertifizierung und Finanzierungsinstrumente.

Jeder dieser Bereiche befindet sich in einer anderen Entwicklungsphase. Während einige Technologien in den vergangenen Jahren stark im Fokus standen, entwickeln sich andere weniger sichtbar, dafür jedoch oft deutlich systematischer. Wasserstoff pauschal zu bewerten, führt daher zwangsläufig zu verzerrten Schlussfolgerungen.

Von Ambitionen zur Umsetzbarkeit

Die Jahre 2021 bis 2023 waren in Europa geprägt von hohen Ambitionen: Strategien, Zielvorgaben, politische Erklärungen und Ankündigungen großvolumiger Projekte. Diese Phase war wichtig und notwendig. Gleichzeitig war es unvermeidlich, dass ein Teil dieser Pläne mit der Realität konfrontiert wurde – insbesondere mit:

  • Kostenstrukturen,

  • regulatorischen Anforderungen,

  • der Verfügbarkeit von Infrastruktur,

  • und vor allem mit fehlender Nachfrage.

Die aktuelle Phase würde ich daher nicht als Abschwung, sondern als Phase der Konsolidierung bezeichnen. Der Markt verschiebt sich von Visionen hin zu sehr konkreten Fragestellungen:

  • Wer wird Wasserstoff tatsächlich abnehmen?

  • Unter welchen Bedingungen?

  • Und welche Projekte sind investitionsreif – und nicht nur konzeptionell?

Die Schlüsselrolle der Abnahme (Offtake)

Aus meiner Erfahrung entscheidet heute weniger die Technologie selbst als vielmehr die konkrete Anwendung. Projekte mit klar definierten Abnehmern, einer Anbindung an bestehende Industrie oder Infrastruktur sowie einem realistischen Geschäftsmodell haben deutlich bessere Erfolgsaussichten als isolierte Vorhaben ohne reale Nachfragebasis.

Genau an dieser Stelle beginnt sich der Markt derzeit zu differenzieren. Und genau deshalb ist die aktuelle Phase für viele Unternehmen und Investoren herausfordernd – zugleich aber strategisch entscheidend.

Konsolidierung als notwendige Entwicklungsphase

Jede technologische Transformation durchläuft eine Phase, in der sich Erwartungen und Umsetzbarkeit voneinander trennen. Wasserstoff bildet hier keine Ausnahme. Die derzeitige Phase stellt kein Scheitern des Konzepts dar, sondern ist ein notwendiger Schritt, um Pilotprojekte in stabile Betriebsmodelle und einzelne Initiativen in ein funktionierendes Gesamtsystem zu überführen.

Für Unternehmen und Projektentwickler bedeutet dies, die nächsten Schritte sorgfältig zu wählen, Risiken zu minimieren und Partnerschaften aufzubauen, die langfristig tragfähig sind – nicht nur auf dem Papier.

Was künftig entscheidend sein wird

Die weitere Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft wird nicht von der Anzahl an Strategien oder von medialer Sichtbarkeit abhängen. Entscheidend wird vielmehr die Fähigkeit sein,

  • Erzeugung, Infrastruktur und Nutzung miteinander zu verbinden,

  • innerhalb des bestehenden regulatorischen Rahmens zu agieren,

  • und Projekte so vorzubereiten, dass sie auch jenseits von Förderprogrammen Bestand haben.

Wasserstoff bleibt ein wichtiges Instrument der Dekarbonisierung – nicht als universelle Lösung, sondern als Bestandteil eines umfassenderen Energie- und Industriesystems.

Fazit

Die Wasserstoffwelt befindet sich heute an einem Punkt, an dem der Unterschied zwischen Versprechen und Realität deutlich wird. Für diejenigen, die bereit sind, mit dieser Realität zu arbeiten, ist dies paradoxerweise eine sehr starke und zukunftsträchtige Phase. Gerade jetzt zeigt sich, welche Projekte auf einem soliden Fundament stehen – und welche auf der Ebene von Erwartungen verharren werden.

Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development
✉️ info@hyconnect.eu
🌐 www.hyconnect.eu


Ganzheitliche Wasserstofflösungen von HyConnect – von Biomasse bis H₂-Mobilität

💧 Ganzheitliche Wasserstofflösungen – von Biomasse bis Mobilität

Wasserstoff wird zunehmend zu einem zentralen Element der europäischen Energiewende.
HyConnect bietet ganzheitliche Lösungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung bis zur konkreten Nutzung in Industrie, Energieversorgung und Mobilität.


🌱 Grüne Wasserstoffproduktion aus Biomasse

In Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen HiTES Holding GmbH liefern wir eine Technologie zur Herstellung von grünem Wasserstoff aus Biomasse – eine hocheffiziente und umweltfreundliche Alternative zur Elektrolyse.

Die HiTES-Technologie ermöglicht eine bis zu 70 % effiziente und CO₂-negative Wasserstofferzeugung aus biogenen Reststoffen – aus Forst-, Landwirtschafts- und kommunalen Quellen.
Dieser Prozess minimiert nicht nur den CO₂-Fußabdruck, sondern erzeugt gleichzeitig ein wertvolles Nebenprodukt: Biokohlenstoff.

Durch diese Methode können die Produktionskosten um bis zu 60–70 % im Vergleich zur Elektrolyse gesenkt werden – auch ohne Fördermittel.


⚙️ HyConnect-Lösungen für das gesamte H₂-Ökosystem

Auf die Wasserstoffproduktion folgen weitere technologische Bausteine, die HyConnect gemeinsam mit Partnern realisiert – von Speicherung und Distribution über mobile und stationäre Betankungssysteme bis hin zu Anwendungen in Fahrzeugen und industriellen Prozessen.

💡 Unsere Leistungen umfassen:

  • Machbarkeitsstudien und Projektvorbereitung,

  • Standortwahl und Analyse lokaler Biomassequellen,

  • Technologie-Design und Lieferantenkoordination,

  • Realisierung und Inbetriebnahme der Anlagen.


🔋 H₂-Kraft-Wärme-Kopplung – effiziente Energienutzung aus Wasserstoff

Zum Portfolio von HyConnect gehören auch H₂-Kraft-Wärme-Kopplungssysteme (H₂-KWK), die eine kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme direkt aus Wasserstoff ermöglichen.
Damit wird jeder produzierte Kilogramm H₂ optimal genutzt und die Gesamteffizienz des Energiesystems deutlich gesteigert.

Die H₂-KWK-Einheiten eignen sich insbesondere für:

  • Industriebetriebe – lokale Energie- und Wärmeversorgung,

  • Kommunen und Energiegemeinschaften – unabhängige Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien,

  • Kreislaufwirtschaftsprojekte – Verbindung lokaler Biomassequellen mit dezentralem Energieverbrauch.

So entsteht ein geschlossener Wasserstoffkreislauf: Erzeugung – Speicherung – Nutzung.


🌍 Gemeinsam für eine nachhaltige Energiezukunft

Das Ziel von HyConnect ist es, eine wirtschaftlich sinnvolle und regional verankerte Dekarbonisierung zu fördern – auf Basis lokaler Ressourcen, Kreislaufwirtschaft und internationaler Kooperation.

Jedes Projekt verstehen wir als Chance, Innovation, Menschen und Regionen zu verbinden – von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung in der Praxis.


Wasserstoff und internationale Zusammenarbeit

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Indem wir batterieelektrische Autos in den Markt „drücken“, werden wir keine Emissionsminderungen erreichen, sagt die Expertin

Laut EU-Kommission sollen Autos mit Verbrennungsmotor im Jahr 2035 in der Union nicht mehr verkauft werden. Inwieweit dieser Vorschlag, der noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments und der 27 Länder bedarf, realistisch ist, bleibt abzuwarten. „Aber Experten und Kunden sollten das Recht haben zu entscheiden, welcher alternative Antrieb sich durchsetzt“, sagt Kristýna Váchalová, die im Daimler-Konzern an der Entwicklung von Wasserstoffautos beteiligt war.

Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Benzin-, Diesel-, Hybrid- und Wasserstoffantrieben, hauptsächlich für die Daimler AG für Pkw und Lkw sowie Busse. Sie hat  seit 8 Jahren in der Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen gearbeitet. Es entwickelte die Einlässe und Abgase von Wasserstoffautos. Sie erhielt ein Patent für die Entwicklung eines Systems zum Auffangen und Steuern des Wasseraustritts aus dem Auspuff. Váchalová nahm auch an einer Machbarkeitsstudie für einen Wasserstoffbus teil und hat eine Machbarkeitsstudie für Wasserstoffsysteme für fünf verschiedene Lkw abgeschlossen.

Was werden Sie in dem Artikel erfahren?

  • Vor- und Nachteile des Wasserstoffantriebs.
  • Sind Wasserstoffantriebe gefährlich?
  • Wo kommen Wasserstoffantriebe zum Einsatz und wo ist Elektromobilität?

Mehr im Beitrag:

https://www.ekonews.cz/tim-ze-se-na-trh-protlaci-bateriove-elektromobily-snizeni-emisi-nedosahneme-rika-expertka/


Wasserstoff als Alternative zur Elektromobilität?

Die letzten Jahre standen unter großem Druck, die Emissionen im Verkehr zu reduzieren. Das Verkaufsende von Verbrennungsmotoren und die Förderung der Elektromobilität werden vorangetrieben. Das Enddatum für die Produktion von Verbrennungsmotoren wurde von der Europäischen Kommission auf 2035 festgelegt. Dieser Vorschlag muss jedoch noch vom Europäischen Parlament und den 27 Ländern genehmigt werden. Vorbehaltlich der Genehmigung dieses Vorschlags – ist diese Frist realistisch? Sollten wir ein alternatives Antriebssystem entwickeln, das alle Benzin- und Dieselmotoren vollständig ersetzen würde?

Was werden Sie in dem Artikel erfahren?

  • Vor- und Nachteile des Wasserstoffantriebs.
  • Sind Wasserstoffantriebe gefährlich?
  • Wo kommen Wasserstoffantriebe zum Einsatz und wo ist Elektromobilität?

Wer verrät uns mehr über die Wasserstofftechnologie?

Kristýna Váchalová verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Benzin-, Diesel-, Hybrid- und Wasserstoffantrieben, hauptsächlich für die Daimler AG für Pkw und Lkw sowie Busse. Sie hat  seit 8 Jahren in der Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen gearbeitet. Es entwickelte die Einlässe und Abgase von Wasserstoffautos. Sie ist sehr stolz auf das Patent, das sie für die Entwicklung eines Systems zum Auffangen und Kontrollieren des Wasseraustritts aus dem Auspuff erhalten hat. Sie führte auch eine Machbarkeitsstudie für einen Wasserstoffbus durch - eine konzeptionelle Lösung für die Anordnung und Befestigung von Wasserstoffsystemen im vorhandenen Motorraum im Bus, die Gestaltung von Wasserstofftanks und deren Befestigung. Sie war die erste bei Daimler, die eine erste Machbarkeitsstudie von Wasserstoffsystemen für 5 verschiedene Lkw durchführte.

In Diskussionen im Berufsnetzwerk LinkedIn haben wir uns unter den Themen Batterie und Wasserstoffantrieb "getroffen". Wie nimmt Kristýna sie wahr?

Mehr im Beitrag:

https://www.autonabijecka.cz/vodik-jako-alternativa-k-elektromobilite/


Wer bin ich

Ich bin in Tschechien geboren. Da ich mich schon als Kind für Autos und alles um sie herum interessiert habe, habe ich mich entschieden, Maschinenbau zu studieren. Ich tat das, obwohl mein Vater damit nicht ganz einverstanden war. Er sagte damals: „Was würdest Du als Frau im Ingenieurwesen tun?“ Nach der Schule verdiente ich mein Geld als Designerin von Gabelstaplern und Förderanlagen für den Schwerbergbau. Und dann bin ich zu einer Tochtergesellschaft der Daimler AG in Prag gekommen – endlich stieg ich in die Automobilindustrie ein, mein Traum. Die Erfüllung meines beruflichen Traumes war damit aber nicht erledigt, dies war erst der Anfang. Mit der Erfüllung meines Traumes war das Lernen verbunden…  Zum ersten Mal bin ich geschäftlich nach Deutschland gereist, direkt in das Werk der Daimler AG in Sindelfingen. Hier galt es erst einmal die Sprachbarriere zu überwinden. Aber schon nach kurzer Zeit habe ich dort Freunde gefunden, die mir mit der Sprache geholfen haben. Ich habe in kurzer Zeit große Fortschritte gemacht. Meine ersten Projekte befassten sich mit dem Bereich Chassis – sowohl für PKW als auch für LKW. Ich habe mich an der Entwicklung des Batteriekastens eines LKWs beteiligt, vom ersten Konzept bis zur Umsetzung. Das Auto wurde dann auf der IAA ausgestellt. Und kürzlich habe ich ihn hier in Pilsen gesehen… 

In meinem nächsten Projekt nahm ich in Stuttgart an der Entwicklung eines 6-Zylinder-Benzinmotors für PKW teil. Stuttgart ist für die folgenden 11 Jahre mein Zuhause geworden. Als die Krise gekommen ist, sparte die Daimler AG Kosten ein und ich musste das Projekt verlassen. Meine Kollegen bei Daimler waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Sie haben daher nicht gezögert und ein anderes Projekt für mich gesucht. Zu dieser Zeit wurde die Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen vorangetrieben, wodurch nun eine Verstärkung in der Konstruktion benötigt wurde. So habe ich ein sehr interessantes Projekt bekommen. Ich war 8 Jahre lang in der Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen tätig. Außerdem habe ich Zuluft- und Abluftanlagen für PKWs entwickelt. Auch an der Entwicklung eines Systems zum Auffangen und gesteuerten Ablassen von Wasser aus der Abluft war ich beteiligt. Wir haben dieses System, dass in allen Arten von Wasserstofffahrzeugen verwendet werden kann, patentieren lassen. Hierzu durfte ich die erste Studie über Wasserstoffsysteme für etwa 5 verschiedene Lastwagen durchführen, vom Müllwagen über Kipplastwagen bis hin zum Lastkraftwagen. Die Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen wurde für mich schnell zu einer Herzensangelegenheit, weil ich den Sinn und die Zukunft darin erkannt habe. Hieran hat sich nichts geändert. Ich bin sehr stolz, dass ich diese Gelegenheit hatte und sogar ein Patent erhalten habe. Ich habe gesagt, dass diese Arbeit ein Traum eines jeden Ingenieurs ist… Aber auch hier stand ich wieder vor einer Entscheidung: Ich habe diese Tätigkeiten von Stuttgart aus gemacht, aber mit Fortschreiten der Arbeit zeigte sich, dass ich meinen Arbeitsplatz direkt bei der Firma haben musste, die sich mit der Entwicklung der Wasserstoffsysteme beschäftigt hat. Die Firma NuCellSys liegt zwar nur als 40 km von Stuttgart entfernt, doch das bedeutete für mich ein tägliches Pendeln und damit blieb viel Zeit auf der Straße liegen. Dies hat mich aber nicht abgeschreckt, da die sehr interessante Arbeit dies ausgleichen konnte. Es war eine Zeit, in der nicht viel von meinem Privatleben übrigblieb. Im Grunde hatte ich nur noch die Wochenenden…  

Das Daimler-Management hat dann leider den Sinn in der Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen verloren und beschloss, die eigene Entwicklung hierzu einzustellen. Also musste ich auch hier gehen. Das war für mich gar nicht so einfach. Aber für mich habe ich wieder das Gute daran gefunden: Das Ende des Pendelns und damit mehr Zeit für mein Privatleben.

Es dauerte nicht lange und mein nächstes Projekt war in Sicht. Im Grunde habe ich Dank meines guten Rufes, gleich wieder ein Projekt in Stuttgart bekommen – Dieses Mal für die Hybridantriebe. Mein erster Kontakt mit dem Projektmanagement. Meine Aufgaben waren regelmäßige Kommunikation mit den verschiedenen Lieferanten, hieraus resultierende Vorstellungen und ggf. ein Durchsetzen von erforderlichen Änderungen beim Projektmanagement der Daimler AG, Durchsichten der Lieferantenzeichnungen, und auch deren Messergebnisse von Einzelteilen. Eventuelle Genehmigungen von Abweichungen von Zeichnungen, sowie Toleranzberechnungen gehörten hier ebenfalls zu meinen Aufgaben. Im Rahmen des Projekts durfte ich sporadisch Versuchsfahrzeuge auf Wochenend-Fahrten erproben. Dies war für mich eine weitere Traumerfüllung. Fast jedes zweite Wochenende hatte ich ein Versuchsfahrzeug und durfte mit diesem grundsätzlich hinfahren, wohin ich wollte. So konnte ich am Steuer verschiedener Luxusfahrzeuge nicht nur die Umgebung von Stuttgart kennenlernen.

Dann folgte ein Projekt außerhalb der Automobilindustrie und weit weg von zu Hause – in Bayern. Ich muss zugeben, dass ich dorthin überhaupt nicht gehen wollte. Es bedeutete für mich wieder zu Pendeln… Und ich dachte, dass das Pendeln schon lange hinter mir läge… In diesem Projekt hatte ich die Möglichkeit, an der Entwicklung von Ladesystemen im Frachtraum von Airbus-Flugzeugen teilzunehmen. Ich habe dort mit den Zeichnungen begonnen und festgestellt, dass das, was bei Daimler Standard ist, möglicherweise nicht überall so ist. Meine Zeichnungen waren eine große Herausforderung für dieses Unternehmen. Sie hatten schon lange vor, sich weiterzuentwickeln, aber es hat ihnen am entscheidenden Input gefehlt. Und dieser ist Dank mir nun gekommen. Meine Zeichnungen haben für diese Firma als Pilotprojekt gedient, da nach diesen nun auch produziert wurde. Ich durfte dort auch an einem für mich sehr interessanten Projekt teilnehmen: Versuch/Erprobung der Teile. Zuerst musste ich darüber nachdenken, wie ich sie nach den richtigen Kriterien testen würde. Dann musste ich die nötigen Vorrichtungen konstruieren und diese dann fertigen lassen. Danach habe ich die Prüfstände im Labor eigenhändig zusammengebaut. Erst dann folgten für mehrere Wochen die Versuche der verschiedenen Teile auf verschiedenen Prüfständen, die mit dem Testberichten in englischer Sprache beschlossen wurden. Eine weitere Herausforderung und weiteres Lernen… Ich habe Bayerns schöne Seite gefunden. Zum Einen hat mir im Laufe der Zeit das Projekt richtig Spaß gemacht, aber am wichtigsten: Ich liebe die Berge und die Natur. Und da sich der Firmensitz in Miesbach (Voralpen) befand, hatte ich vom Büro aus einen Blick auf die Berge. Grundsätzlich jeden Tag bin ich nach der Arbeit mit dem Auto in die Berge gefahren. Zumindest abends konnte ich somit die Berge und die schöne Natur genießen. Im Sommer habe ich in einem Bergsee gebadet und habe die letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen. Die Leute in Bayern sind sehr freundlich. Es dauerte nicht lange, bis ich zum Stammtisch eingeladen wurde, so dass ich mich seit dem regelmäßig mit den Einheimischen zusammengesetzt habe. Und das empfand ich als eine große Ehre. Bayern ist mir schließlich auch in so kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen. Ich hatte in den Bergen Zeit zum Nachdenken und die Berge haben mir die dringend benötigte Energie gegeben. In den Bergen habe ich auch mein Bewusstsein gefunden… Ich fand für mich heraus: Es fiel mir nun schwer, für immer nach Stuttgart zurückzukehren. 

Es folgte ein weiteres Projekt bei Daimler, mein letztes. Ich habe die Ausschreibung für eine BTV-Stelle für meinen Arbeitgeber mit voller Kraft gewonnen. Ich war Bauteilverantwortliche für verschiedene Teile der Zuluftanlage eines 4-Zylinder-Dieselmotors, der für 3 verschiedene Autotypen ausgelegt war. Ich habe mit Lieferanten kommuniziert, ich habe die Änderungen im Projektmanagement von Daimler durchgesetzt und ich habe regelmäßige Besprechungen mit den Lieferanten und internen Kollegen geleitet. Ich habe von Zeit zu Zeit mit meinen indischen Kollegen zusammengearbeitet. Ich habe verschiedene Qualitätsprobleme von Teilen gelöst, sogar direkt in und an der Produktionslinie.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ich eine große Veränderung in meinem Leben vornehmen muss. Und ich habe es auch getan. Ich beschloss, in meine Heimat zurückzukehren. Ich habe meinen „Traumjob“ verlassen und bin nach Hause gegangen. Ich habe diesen Schritt getan, obwohl ich in der Tschechischen Republik keinen Job hatte. Für meine Kollegen war diese Entscheidung wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie haben es nicht glauben wollen und gefragt, ob ich sehr gut darüber nachgedacht hätte… Es war keine leichte Entscheidung, aber ich freue mich sehr über diesen Schritt…

Als ich nach Hause kam, musste ich erst „runterkommen“. Einfach einmal nichts tun… Und ich habe es voll genossen. Grundsätzlich habe ich ein Jahr frei genommen. Meine berufliche Kariere war für mich sehr erfüllend, aber gleichzeitig aufwändig. Ich hatte nicht viel Zeit für mein Privatleben. Alles hat seinen Preis. 

Alles aus meinen Projekten war für mich eine große Herausforderung und dessen Lösung ein großer Fortschritt. Ich musste in jedem Projekt etwas Neues lernen. Ich habe mit jedem Projekt neue Menschen kennengelernt, das mag ich sehr. Es ist sehr bereichernd. Ich bin sehr froh, dass ich die Gelegenheit hatte, in Deutschland zu leben und eine andere Kultur kennenzulernen. Obwohl Deutschland unser direkter Nachbar ist, unterscheidet sich dessen Kultur von unserer. Es reicht aus, in ein anderes Bundesland innerhalb Deutschlands zu gehen und kulturelle Unterschiede sind bereits erkennbar. Es war sehr bereichernd und lehrreich für mich. Ich betrachte jetzt die Welt mit anderen Augen. 

Und meine Zusammenfassung? Es gibt überall einige Probleme. Kein Land ist besser oder schlechter, nur anders. Überall werden Probleme gelöst. Es gilt den Vorteil zu nutzen. Man kann das Positive aus jedem Land mitnehmen und versuchen, die negativen Dinge im Leben zu vermeiden. Jeder Mensch kann versuchen, anders zu leben. So wie er möchte, dass er sein Leben leben mag. Man muss mit der Änderung im Leben bei sich selbst anfangen. Und man kann eine Inspiration für andere sein…

Als ich nach Hause zurückkehrte, wusste ich, dass ich in meinem Fach weiterarbeiten wollte, aber ein bisschen anders als bisher. Ich möchte alles weitergeben, was ich während meiner Karriere gelernt habe. Ich habe langjährige Erfahrung direkt beim Automobilhersteller, obwohl ich dort immer extern gearbeitet habe, deshalb möchte ich den Lieferanten die andere Seite der Dinge zeigen. Wie es dort tatsächlich funktioniert. Ich möchte gerne auf die Fehler hinweisen, die 80% der Lieferanten machen und dabei es spielt keine Rolle, aus welchem ​​Land sie kommen. Aber ich möchte nicht nur auf die Fehler hinweisen. Ich möchte zeigen, wie man diese Fehler vermeiden kann. Wie man besser und effizienter arbeiten kann. Ich möchte gerne meinen Kolleginnen und Kollegen helfen und damit auch den Lieferanten.

Ich bin stolz auf mich und ich weiß, dass nicht nur ich das bin, sondern auch meine Eltern und meine Umgebung. Eine Frau, die ohne Universitätsabschluss diese Karriere in der Automobilindustrie gemacht hat. Sie wurde nicht nur in der Automobilindustrie anerkannt, sondern war dort auch sehr gefragt. Und dies ist noch nicht das Ende meines Wegs…

Während meiner einjährigen Pause war ich nicht ganz untätig, ich setzte meine Ausbildung fort. Ich habe eine Ausbildung zum professionellen Coach mit internationaler Zertifizierung gemacht. Meine nächste Mission ist es, meine wertvollen Erfahrungen weiterzugeben und so anderen helfen zu können.

Ich bin eine Frau, der die Courage, der Mut und der Sinn für Humor nicht fehlen… Eine Frau, die Hindernisse überwinden kann und die ihre Erfahrungen gerne teilen wird. Eine Frau, die eindeutig beweist, dass Ingenieurwesen nicht nur ein von Männern dominiertes Gebiet ist… Eine Frau, die sich immer ihre Ziele setzt, sie erreicht und sich immer neue und neue setzt …