Wenn über die europäische Förderung von Wasserstoff gesprochen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit häufig auf die RFNBO-Regulierung und die Bedingungen für erneuerbaren Wasserstoff aus Elektrolyse. Weniger Beachtung findet jedoch, dass es neben diesen Instrumenten Programme gibt, die ein breiteres Spektrum technologischer Lösungen und vor allem systemische, internationale Projekte unterstützen.

Eines davon ist die Clean Hydrogen Partnership (CHP).


Was ist die Clean Hydrogen Partnership?

Die Clean Hydrogen Partnership ist eine europäische Initiative zur Förderung von Forschung, Demonstration und der systemischen Integration von Wasserstofftechnologien. Ihr Ziel ist es nicht nur, einzelne Anlagen zu unterstützen, sondern funktionierende Ökosysteme aufzubauen, die miteinander verbinden:

  • die Produktion von Wasserstoff,
  • Verteilung und Infrastruktur,
  • konkrete Anwendungen in Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft,
  • und vor allem die internationale Zusammenarbeit mehrerer Partner.

Im Gegensatz zu einigen anderen Instrumenten ist die Förderung nicht ausschließlich auf Wasserstoff beschränkt, der die Definition von RFNBO erfüllt. Projekte werden vor allem anhand folgender Kriterien bewertet:

  • technologische Innovationskraft,
  • systemische Integration,
  • Beitrag zur Dekarbonisierung,
  • sowie die Fähigkeit, ein langfristig tragfähiges Betriebsmodell zu schaffen.

Dies eröffnet Raum auch für Projekte, die auf Prinzipien der Kreislaufwirtschaft basieren, biogene Ressourcen nutzen oder mehrere technologische Ansätze innerhalb eines Systems kombinieren.


Hydrogen Valleys: Die Region als Grundlage

Eines der zentralen Konzepte der Clean Hydrogen Partnership sind die sogenannten Hydrogen Valleys – regionale Projekte, die die Produktion, Infrastruktur und konkrete Nutzung von Wasserstoff innerhalb eines definierten Gebiets miteinander verbinden.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie, sondern:

  • eine reale Nachfrage nach Wasserstoff,
  • die Einbindung mehrerer Sektoren,
  • die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit,
  • sowie die Koordination der Akteure auf regionaler Ebene.

Wasserstoff ist hier kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer umfassenderen regionalen Transformationsstrategie.


Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als strategischer Vorteil

Grenzüberschreitende Regionen stellen eine besondere Chance dar. Benachbarte Gebiete teilen häufig:

  • ähnliche industrielle Strukturen,
  • logistische Verflechtungen,
  • Energieinfrastrukturen,
  • sowie gemeinsame Herausforderungen im Transformationsprozess.

Ein kleineres, realistisch konzipiertes Projekt auf einer Seite der Grenze kann als Pilot dienen. Wenn es auf realer Nachfrage und funktionierenden Partnerschaften basiert, kann es schrittweise erweitert werden – um zusätzliche Produktionskapazitäten, weitere Abnehmer und zusätzliche Infrastrukturelemente.

Ein solcher Ansatz ermöglicht es, ein Wasserstoffökosystem schrittweise aufzubauen, ohne einmalige überdimensionierte Investitionen und unabhängig von administrativen Staatsgrenzen. Auf diese Weise kann nach und nach ein vernetztes System entstehen, das die wirtschaftliche Logik der Region respektiert und gleichzeitig die internationale Dimension als Vorteil und nicht als Hindernis nutzt.


IF und CHP: Unterschiedliche Rollen, gemeinsames Ziel

Die europäischen Förderinstrumente im Wasserstoffbereich schließen sich nicht gegenseitig aus – im Gegenteil, sie ergänzen sich.

  • Der Innovation Fund konzentriert sich vor allem auf die Investitionsphase großer Projekte und signifikante Emissionsreduktionen im industriellen Maßstab.
  • Die Clean Hydrogen Partnership unterstützt den Aufbau internationaler Konsortien, die Demonstration von Lösungen und die systemische Integration auf regionaler Ebene.

Erfolgreiche Projekte entstehen jedoch nicht als Reaktion auf eine gerade geöffnete Ausschreibung. Sie entstehen dort, wo bereits vorhanden sind:

  • ein klar definierter regionaler Bedarf und ein entsprechendes Potenzial,
  • eine validierte Nachfrage,
  • funktionierende Partnerschaften,
  • sowie ein realistischer, schrittweiser Weg von der Vorbereitung bis zur Umsetzung.

Was bedeutet das für tschechische Regionen?

Die Clean Hydrogen Partnership ist nicht nur „eine weitere Fördermöglichkeit“. Sie ist ein Instrument, das es ermöglicht, regionale Strategien, technologische Lösungen und internationale Zusammenarbeit in einem funktionierenden Rahmen zu verbinden.

Für Regionen, die systematisch denken und bereit sind, zunächst ihr eigenes Potenzial zu validieren, kann sie einen logischen nächsten Schritt darstellen – insbesondere in Kombination mit weiteren europäischen oder nationalen Förderinstrumenten.

Entscheidend ist dabei nicht, einzelne Ausschreibungen isoliert zu betrachten, sondern sie in ein langfristiges Entwicklungskonzept zu integrieren. Die Fähigkeit, regionale Bedürfnisse, technologische Möglichkeiten und geeignete Finanzierungsinstrumente zu einem kohärenten Projekt zu verbinden, wird in den kommenden Jahren ausschlaggebend sein.


Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Wasserstoffprojekten und Infrastrukturstrategien im europäischen Kontext.


Kristýna Váchalová
Hydrogen Business Development